ERP für Logistik & Transport
ERP in Logistik und Transport steuert Disposition, Lagerbewirtschaftung, Sendungsverfolgung und Frachtabrechnung.
ERP für Logistik & Transport: Anforderungen
- Disposition
- Zuteilung von Aufträgen auf Fahrzeuge und Fahrer unter Berücksichtigung von Kapazität, Route und Lenk- und Ruhezeiten. Die Disposition selbst läuft in vielen Betrieben in einem spezialisierten Transport-Management-System, das ERP liefert Auftragsdaten und übernimmt das Ergebnis für Abrechnung und Buchhaltung.
- Lagerbewirtschaftung
- Platzverwaltung, Kommissionierung, Cross-Docking und Inventur, bei Lagerlogistik oft mit mobiler Erfassung per Scanner im Lager. Wichtig ist die Anbindung an vor- und nachgelagerte Transportaufträge, damit Umschlag ohne Medienbrüche funktioniert.
- Sendungsverfolgung
- Statusverfolgung vom Auftrag bis zur Ablieferung, mit digitalem Zustellnachweis (Unterschrift, Foto, Zeitstempel) und einem Kundenportal oder einer Schnittstelle, über die Auftraggeber den Status selbst einsehen können, ohne beim Disponenten nachzufragen.
- Frachtabrechnung
- Abrechnung nach Gewicht, Volumen, Lademeter, Distanz oder Pauschalvereinbarung, oft im selben Betrieb parallel für mehrere Tarifmodelle. Dazu kommen variable Zuschläge wie Treibstoff, Maut und Sondertransporte, die korrekt je Sendung zugeordnet werden müssen.
- Zoll und Grenzverkehr
- Verzollungsdaten, elektronische Zollanmeldung und Ursprungsnachweise für den Warenverkehr mit der EU. Für die Schweiz als Nicht-EU-Land ist das bei praktisch jeder grenzüberschreitenden Sendung ein Pflichtschritt, der im System hinterlegt statt manuell nachgetragen werden sollte.
- Frachtführerhaftung und Versicherungsnachweis
- Für jede Sendung braucht es einen Nachweis der Haftungsgrundlage (etwa nach CMR-Übereinkommen im grenzüberschreitenden Strassenverkehr) und der bestehenden Transportversicherung. Im Schadenfall muss sich diese Dokumentation lückenlos und sendungsbezogen aus dem System ziehen lassen.
ERP für Logistik & Transport: Typische Probleme
- Disposition läuft auf Zuruf und in Tabellen, Leerfahrten und Kapazitätsverschwendung bleiben unbemerkt
- Zollabwicklung ist ein manueller Sonderprozess neben dem ERP, mit entsprechendem Fehlerrisiko bei Verzollungsdokumenten
- Abrechnung stimmt nicht mit der tatsächlich erbrachten Leistung überein, Zuschläge und Nachträge gehen unter
- Sendungsstatus ist für Kunden nicht einsehbar, telefonische Rückfragen binden Personal in der Disposition
- Deckungsbeitrag je Tour, Kunde oder Fahrzeug ist nicht auswertbar, Preisverhandlungen laufen ohne belastbare Zahlenbasis
- Haftungs- und Versicherungsnachweise pro Sendung werden manuell in Ordnern verwaltet, im Schadenfall fehlt eine lückenlose Dokumentation
ERP für Logistik & Transport: Passende Systeme
- SAP S/4HANA
- Bietet mit dem Modul SAP Transportation Management und den Global-Trade-Services-Funktionen eine durchgängige Abdeckung von Disposition, Frachtabrechnung und Zollprozessen für grössere Speditionen mit internationalen Warenströmen.
- Microsoft Dynamics 365 Business Central
- Deckt Lagerverwaltung, Auftragsabwicklung und Frachtabrechnung im KMU-Rahmen ab. Für Disposition und Tourenplanung wird das System über die offene API meist mit einem spezialisierten Transport-Management-System verbunden statt diese Funktion selbst zu übernehmen.
- Sage X3
- Ist gezielt auf Unternehmen mit komplexeren Fertigungs- und Logistikprozessen an mehreren Standorten ausgelegt und positioniert sich damit zwischen KMU- und Konzern-ERP, eine passende Grössenordnung für Speditionen und Logistikdienstleister im gehobenen Mittelstand.
Die Schweiz ist als Binnenland im Zentrum Europas auf den grenzüberschreitenden Güterverkehr angewiesen und gleichzeitig zentrales Transitland des alpenquerenden Verkehrs zwischen Nord- und Südeuropa. Die Verlagerungspolitik des Bundes strebt seit der Annahme der Alpeninitiative 1994 gesetzlich maximal 650’000 alpenquerende Lastwagenfahrten pro Jahr an, real waren es 2025 laut Bundesamt für Verkehr rund 960’000 Fahrten, bei einem Schienenanteil von 68,6 Prozent am alpenquerenden Gütertransport. Die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) macht die Erfassung von Gewicht, Strecke und Emissionsklasse je Fahrt zur betriebswirtschaftlichen Pflichtübung, was ohne saubere Anbindung an Disposition und Abrechnung im ERP kaum wirtschaftlich zu handhaben ist. Die Branche ist stark mittelständisch geprägt: Der Nutzfahrzeugverband ASTAG zählt rund 4200 Mitgliedsunternehmen, über 80 Prozent davon KMU, die zusammen rund 42’000 Chauffeure beschäftigen. Für ERP-Systeme in diesem Umfeld heisst das: eine belastbare Zollabwicklung für den Verkehr mit der EU, eine Frachtabrechnung, die unterschiedliche Tarifmodelle und Zuschläge sauber trennt, und eine Anbindung an spezialisierte Dispositions- und Telematiklösungen statt deren Ersatz.
ERP für Logistik & Transport: Häufige Fragen
Reicht ein ERP für einen Transportbetrieb oder braucht es ein TMS?
Ein ERP deckt Auftrag, Abrechnung und Buchhaltung ab. Für Disposition, Routenplanung und Telematik wird meist ein Transport-Management-System ergänzt und an das ERP angebunden, statt dass das ERP diese Funktionen selbst übernimmt.
Was ist bei Schweizer Logistikunternehmen besonders zu beachten?
Die Zollabwicklung. Als Nicht-EU-Land benötigt die Schweiz bei jedem grenzüberschreitenden Transport eine Verzollung mit Ursprungsnachweisen, was im ERP hinterlegt und nicht als manueller Sonderprozess nebenher geführt werden sollte.
Wie bildet ein ERP unterschiedliche Frachttarife im selben Betrieb ab?
Über hinterlegte Tarifmodelle je Kunde oder Sendungsart, etwa nach Gewicht, Volumen, Lademeter, Distanz oder Pauschale, kombiniert mit variablen Zuschlägen wie Treibstoff oder Maut. Ohne strukturierte Tarifpflege im System entstehen Abweichungen zwischen vereinbarter und tatsächlich verrechneter Leistung.