ERP für Gesundheitswesen
ERP im Gesundheitswesen steuert Finanzen, Beschaffung, Personal und Logistik von Spitälern, Heimen und Praxen, abgegrenzt von der klinischen Patientendokumentation.
ERP für Gesundheitswesen: Anforderungen
- Beschaffung und Materialwirtschaft
- Verwaltung von Medizinprodukten, Implantaten und Verbrauchsmaterial mit Chargen- und Verfallsdatenführung, damit einzelne Lose bei Rückrufen bis zur Abteilung zurückverfolgt werden können.
- Personaleinsatzplanung im Schichtbetrieb
- Dienstpläne über Tag-, Nacht- und Wochenenddienste hinweg, mit Zulagenberechnung, Qualifikationsnachweisen und gesetzlichen Ruhezeiten, bei hohem Anteil an Teilzeitpensen.
- Leistungsabrechnung nach Schweizer Tarifsystemen
- Abrechnung gegenüber Krankenversicherern nach SwissDRG im stationären und, seit 1. Januar 2026, TARDOC sowie ambulanten Pauschalen anstelle von TARMED im ambulanten Bereich.
- Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung
- Getrennte Auswertung nach Abteilungen, Leistungsbereichen und Fällen als Grundlage für eine belastbare Kostenträgerrechnung und das Reporting gegenüber Kanton und Aufsichtsbehörden.
- Abgrenzung und Schnittstelle zur Klinikinformatik
- Das ERP deckt die betriebswirtschaftliche Seite ab. Patientendaten, Bettenbelegung und klinische Prozesse laufen im Klinikinformationssystem und werden über definierte Schnittstellen wie HL7 oder FHIR angebunden, nicht im ERP nachgebaut.
- Anlagenbuchhaltung für medizintechnische Grossgeräte
- Abschreibung, Wartungs- und Kalibrierungspläne sowie Serviceverträge für kostenintensive Geräte wie MRI, CT oder Laborautomaten, damit Fristen nicht in Insellösungen ausserhalb des ERP verwaltet werden.
ERP für Gesundheitswesen: Typische Probleme
- ERP und Klinikinformationssystem sind schlecht verbunden, Daten werden doppelt erfasst
- Materialverbrauch lässt sich nicht verursachungsgerecht einzelnen Abteilungen oder Fällen zuordnen
- Dienstplanung für den Schichtbetrieb läuft getrennt vom Personalwesen, Zulagen werden manuell nachgepflegt
- Kostenträgerrechnung erfordert Datenaufbereitung von Hand, weil Kostenstellen und Leistungsdaten nicht durchgängig verknüpft sind
- Beschaffungsprozesse sind dezentral über Abteilungen gewachsen und lassen sich zentral kaum steuern oder verhandeln
- Wartungs- und Kalibrierungstermine für medizintechnische Geräte werden in Insellösungen statt im Anlagenregister geführt, Fristen werden verpasst
ERP für Gesundheitswesen: Passende Systeme
- SAP S/4HANA
- Bei grösseren Spitälern und Spitalgruppen verbreitet, mit ausgebauter Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung, Anlagenbuchhaltung für medizintechnische Grossgeräte und internationaler Beschaffung.
- Abacus
- Für kleinere Institutionen, Alters- und Pflegeheime geeignet, mit integrierter Lohnbuchhaltung nach Schweizer Recht für Schicht- und Teilzeitmodelle.
- Infoniqa ONE 200
- Für mittelgrosse Heimgruppen und Spitex-Organisationen zwischen rund 10 und 1000 Mitarbeitenden, mit Swissdec-zertifizierter Lohnabrechnung für Schichtzulagen und Auftragsverwaltung aus einer Hand.
Das Schweizer Gesundheitswesen zählt zu den kostenintensivsten Sektoren der Volkswirtschaft: 2025 beliefen sich die Gesundheitskosten auf rund CHF 100,7 Milliarden, was einem Anteil von 11,6 Prozent am Bruttoinlandsprodukt entspricht. Die Versorgung stützt sich auf ein dichtes, aber organisatorisch fragmentiertes Netz: Die «Kennzahlen der Schweizer Spitäler» des Bundesamts für Gesundheit weisen rund 270 Spitalbetriebe aus, dazu kommen kantonal unterschiedlich organisierte Alters- und Pflegeheime sowie Spitex-Organisationen. Seit 1. Januar 2026 lösen die neue Einzelleistungstarifstruktur TARDOC und ambulante Pauschalen den bisherigen Arzttarif TARMED ab, ERP- und Abrechnungssysteme müssen die neuen Tarifpositionen sauber abbilden können. Gleichzeitig verschärft der Fachkräftemangel in der Pflege den Planungsdruck: Die 2021 angenommene Pflegeinitiative wird seit 2024 in zwei Etappen umgesetzt, die Ausbildungsoffensive läuft bereits, eine zweite Etappe zu Arbeitsbedingungen und Personalbemessung ist frühestens ab 2026 oder 2027 vorgesehen. Für ERP-Systeme im Gesundheitswesen bedeutet das: valide Dienstplanung, saubere Kostenträgerrechnung und eine klare Schnittstelle zum Klinikinformationssystem gewinnen an Bedeutung, unabhängig von der Grösse der Institution.
ERP für Gesundheitswesen: Häufige Fragen
Braucht ein Spital ein ERP zusätzlich zum Klinikinformationssystem?
In der Regel ja. Das Klinikinformationssystem führt Patientendaten und klinische Prozesse, das ERP die betriebswirtschaftliche Seite mit Finanzen, Beschaffung und Personal. Die Verbindung erfolgt über Schnittstellen wie HL7 oder FHIR, nicht durch Doppelführung der Daten.
Was ist bei Schweizer Heimen und Pflegeinstitutionen besonders?
Die Lohnbuchhaltung mit Schichtzulagen und die Abrechnung nach kantonal unterschiedlichen Pflegefinanzierungsregeln. Eine Lösung mit Schweizer Lokalisierung und Swissdec-Zertifizierung ist hier praktisch Voraussetzung.
Was ändert sich 2026 mit der Ablösung von TARMED durch TARDOC für die ERP-Abrechnung?
Seit 1. Januar 2026 ersetzen die Einzelleistungstarifstruktur TARDOC und neue ambulante Pauschalen den bisherigen Arzttarif TARMED. Für die ERP-Abrechnung heisst das, dass Fakturierungs- und Kostenträgermodule die neuen Tarifpositionen und Pauschalen korrekt abbilden müssen, ohne dass bestehende Reportings rückwirkend brechen.