ERP für Chemie & Prozessindustrie
ERP in der Chemie- und Prozessindustrie steuert Rezepturen, Chargen und Gefahrstoffe entlang formelbasierter Produktionsprozesse und stellt die Konformität mit Chemikalien- und Gefahrstoffrecht sicher.
ERP für Chemie & Prozessindustrie: Anforderungen
- Rezeptur- und Formelverwaltung
- Formeln mit Mengenumrechnung, Ausbeuteschwankungen und Neben- oder Kuppelprodukten abbilden. Anders als eine Stückliste in der Diskretfertigung muss eine Rezeptur auch bei wechselnden Rohstoffqualitäten und -konzentrationen stimmige Mengen liefern.
- Chargenverwaltung und Rückverfolgbarkeit
- Lückenlose Vorwärts- und Rückwärtsverfolgung jeder Charge vom Rohstoff bis zum Endprodukt und umgekehrt, damit im Rückrufall betroffene Mengen und Kunden innert Kürze feststehen.
- Gefahrstoffmanagement
- Sicherheitsdatenblätter, Kennzeichnung nach GHS/CLP und Lagervorschriften für Gefahrstoffe direkt aus den Stammdaten der Rezeptur ableiten, statt sie separat zu pflegen.
- REACH- und Chemikalienrecht-Konformität
- Bei Export in die EU müssen Registrierungen, Einstufungen und Meldepflichten nach REACH nachweisbar sein. Das ERP muss diese Angaben mit den tatsächlich produzierten und gehandelten Mengen verknüpfen können.
- Losgrössen- und Kapazitätsplanung
- Planung sowohl für diskontinuierliche Batch-Fertigung als auch für kontinuierliche Prozesse, inklusive Reaktorbelegung, Rüst- und Reinigungszeiten zwischen Chargen unterschiedlicher Produkte.
- Qualitätskontrolle mit Sperrbeständen
- Chargen bis zum Vorliegen der Freigabe automatisch im Quarantäne- status halten, damit gesperrte Ware nicht versehentlich verkauft oder weiterverarbeitet wird.
ERP für Chemie & Prozessindustrie: Typische Probleme
- Sicherheitsdatenblätter werden manuell in Excel neben dem ERP gepflegt und laufen bei Rezepturänderungen aus dem Takt
- Rückverfolgung im Rückrufall dauert Tage, weil Chargeninformationen über mehrere Insellösungen verteilt sind
- Kuppelprodukte und Nebenströme werden im System nicht sauber bewertet, die Kalkulation stimmt nicht mit der Realität überein
- Gesperrte Chargen werden versehentlich verkauft, weil das ERP keine harte Sperre gegen Auslieferung kennt
- Reaktorkapazität und Reinigungszeiten zwischen Chargen fehlen in der Planung, es entstehen ungeplante Standzeiten
- REACH-Registrierungen und Mengenschwellen werden separat in Fachabteilungen nachgeführt statt aus den ERP-Bewegungsdaten abgeleitet
ERP für Chemie & Prozessindustrie: Passende Systeme
- GUS-OS Suite
- Explizit auf die regulierte Prozessindustrie inklusive Chemie zugeschnitten, mit integriertem Qualitäts-, Chargen- und Dokumentenmanagement für GxP-nahe Anforderungen.
- CSB-System
- Deckt neben der Lebensmittelindustrie auch Chemie und Kosmetik mit vorkonfigurierten Prozessen für Chargenverwaltung und Rückverfolgbarkeit ab.
- SAP S/4HANA
- Bietet mit Produktions- und Qualitätsmodulen die Tiefe für grössere Chemieunternehmen mit komplexen, mehrstufigen Prozessen und internationalen Standorten.
- Infor CloudSuite
- Branchenspezifische Cloud-ERP-Ausprägung mit Prozessfertigungsfokus, geeignet für mittlere bis grosse Unternehmen mit Rezeptur- und Chargenanforderungen.
Die Chemie- und Pharmaindustrie ist mit einem Anteil von über der Hälfte der Schweizer Warenexporte die mit Abstand wichtigste Exportbranche des Landes. Ein wesentlicher Teil dieser Wertschöpfung konzentriert sich im Raum Basel, wo sich Chemie- und Life-Sciences-Unternehmen historisch zu einem dichten Cluster entwickelt haben. Diese Seite behandelt die klassische Chemie- und Prozessindustrie mit Rezeptur- und Chargenfertigung; für stark regulierte Pharmaproduktion mit GMP-Anforderungen empfiehlt sich ergänzend ein Blick auf Systeme mit ausgewiesener Validierungstiefe. Gemeinsam ist beiden Bereichen, dass ein ERP ohne echte Rezeptur- und Chargenlogik an seine Grenzen stösst, sobald Gefahrstoffe, Kuppelprodukte oder Exportauflagen ins Spiel kommen.
ERP für Chemie & Prozessindustrie: Häufige Fragen
Was unterscheidet ERP für die Prozessindustrie von klassischem Fertigungs-ERP?
Prozess-ERP arbeitet mit Rezepturen statt Stücklisten, rechnet mit Mengen und Konzentrationen statt Stückzahlen und muss Kuppel- und Nebenprodukte mitkalkulieren. Zusätzlich kommen Gefahrstoff- und Chargenanforderungen hinzu, die in der Diskretfertigung keine Rolle spielen.
Warum ist Chargenrückverfolgung in der Chemieindustrie besonders kritisch?
Bei Gefahrstoffen und regulierten Chemikalien muss im Rückrufall sofort feststehen, welche Chargen betroffen sind, in welche Endprodukte sie eingeflossen sind und welche Kunden beliefert wurden. Ohne durchgängige Chargenführung im ERP ist das nur mit manueller Recherche über mehrere Systeme möglich.
Muss ein ERP für Schweizer Chemieunternehmen REACH abbilden?
Die Schweiz hat ein eigenes, an REACH angelehntes Chemikalienrecht, beim Export in die EU gilt jedoch REACH direkt. Unternehmen mit EU-Geschäft benötigen deshalb ein ERP, das Registrierungen, Einstufungen und Mengenschwellen mit den tatsächlichen Produktions- und Handelsmengen verknüpfen kann.